Ab Foynes im Flying Boat nach Amerika

Ich war schon am Flying Boat Museum in Foynes vorbei gefahren, und überlegte während der nächsten 5 km, soll ich zurückfahren oder nicht? Es regnete den vierten Tag in Folge, ich hatte keine besonderen Pläne und ich würde mich später vielleicht ärgern, dass ich nicht umgekehrt bin. Also noch mal zurück.

Ich wollte das eingezäunte Flugzeug neben der Straße zumindest von außen ein bisschen näher ansehen und ein Foto machen. Der Blick von Außen reichte mir dann aber doch nicht, also ging ich rein und startete einen Ausflug in die Geschichte der zivilen Luftfahrt.

Der Eintritt ins Flying Boat Museum war mit 16 Euro (!) nicht von schlechten Eltern. Aber das Geld war gut inverestiert.  Als ich das Museum wieder verließ, fühlte ich mich, als wäre ich einer der ersten Flugpassagiere gewesen.

Die freundlichen Empfangsdamen im Eingang.

Das „Flying Boat“, um das es in dem Museum geht, ist eine Boing 313. Das Flugboot (Start und Landung auf dem Wasser) wurde von Boing Ende der 1930er Jahre im Auftrag von Pan America für den zivilen Atlantik-Flugverkehr gebaut.

Was Foynes damit zu tun hat? Die kleine Hafenstadt an der Mündung des Shannon war der westlichste Startplatz für Flugboote an der europäischen Atlantikküste. Etwa 17 Stunden dauerte der Flug von Foynes nach Botwood/Neufundland.

Ende der 1930er Jahre war der Flug über den Atlantik ein irrer Luxus, den sich nur die Superreichen leisten konnten. Laut Wikipedia kostete der Flug in der Boing 313 knapp 700 Dollar, was heute mehr als 11.000 Dollar wären. Aber du brichst echt in Tränen aus, wieviel Platz es gab und wie wohnlich das Fliegen damals war.

Die Sitze ließen sich teilweise für den nächtlichen Schlaf zu Betten umbauen.

Es gab ein “Restaurant” mit 14 Plätzen – Leinen-Tischdecken, Kristallgläser und Kellner inklusive. Das Essen wurde in einer Küche von zwei Sterneköchen frisch zubereitet. Und was natürlich auch nicht fehlen durfte: Ein Overnight-Schuhputz-Service!

Sieht das etwa wie in einem Flugzeug aus?

Die Freude an diesen Luxusflügen währte allerdings nur knapp 3 Monate. Dann kam der zweite Weltkrieg dazwischen und statt Passagiere wurden Soldaten und Material über den Atlantik geflogen. Und danach war’s mit der Boing 313 praktisch schon wieder vorbei, es gab leistungsstärkere Maschinen, die vom Land aus abheben konnten. Das Flugboot in Foynes ist die „letzte“ Boing 313, bzw. sie ist ein Replikt, das (bis auf die Technik) original nachgebaut wurde.

Eine witzige Anekdote aus der frühen Atlantik-Flugfahrt: Ein Passagier soll den Flug komplett verschlafen haben, weshalb er nicht mitbekam, dass das Flugzeug wegen Treibstoffmange wieder umdrehen musste. Als er, im Glauben in Amerika zu sein, am Traffic Officer vorbei ging, sagte er sinngemäß: Unglaublich! In Foynes gab es einen Kerl, der sah exakt aus wie Sie!

Was man außerdem noch über Foynes wissen muss: Im ehemaligen Flughafen-Restaurant wurde der irish Coffee erfunden. Dessen Zubereitung kann man im Museum (back to the 30th) in einem Hologramm verfolgen. Und im Museums-Restaurant kann man ihn auch trinken.

 

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