Duschen unterwegs – was wenn es kein Badezimmer gibt?

Unterwegs sein, bzw. im Auto leben, bedeutet nicht nur auf sehr reduziertem Raum zu wohnen, sondern auch auf einige Annehmlichkeiten zu verzichten. Vor allem auf ein schönes Badezimmer mit allen sanitären Schikanen wie WC, Badewanne oder Dusche.

Mein Klo befindet sich in einem rollbaren Holzkasten, der mit einem Eimer und Kanister ausgestattet ist. Nicht so schön wie Zuhause, aber EIN Klo, sei es noch so primitiv, ist 1000 mal besser, als KEIN Klo und von öffentlichen Einrichtungen oder dem nächsten Wachholderbusch abhängig zu sein. Also Kloproblem ist gelöst.

Aber was mach ich, wenn ich duschen muss?
Dusche im Peugeot Expert geht wirklich nicht. Ich hab zwar schon einen Selbstausbau mit Sitzbadewanne gesehen, aber selbst das würde zu viel Platz wegnehmen und auf das ganze Wasser im Auto hab ich auch keine Lust. Dazu bin ich eh schon genervt, weil ich ständig alles von A nach B schieben muss: also keine Dusche oder Sitzbadewanne im Expert. Alternativ bieten sich folgende Lösungen an:

1. Kleine Reinigung
Mit feuchtem Lappen, Wasser und Seife oder Babyfeuchttüchern

2. „Öffentlich“ duschen gehen
–> Öffentliche Duschen gibt es z.B. auf den äußeren Hebriden in jeder größeren Stadt und am Hafen.
–> In Deutschland an Autobahnraststätten und Autohöfen, in Großstädten manchmal auch am Bahnhof
–> Ein Besuch im Schwimmbad oder in einer Wellnessoase schafft Reinlichkeit
–> In Südländern gibt es oft Duschen am Strand. Die Verwendung von Seife und Haarshampoo kann aber heikel sein.
–> Eine Nacht auf dem Campingplatz kann auch für eine Rundumerneuerung genutzt werden. Wer das nicht will, kann fragen, ob Duschen gegen Cash möglich ist.

3. Draußen duschen (umweltfreundliches Shampo und Seife verwenden!)
–> Ab in die Natur… Flüsse, Seen, Wasserfälle. Geht im Sommer, ist aber auch dann ziemlich frisch
–> Duschvorrichtung außen am Auto anbringen. Es gibt Fahrzeuge, die ziehen das Wasser direkt aus dem Tank in eine Außendusche.
–> Alternativ einen Wassersack ans Auto oder den nächsten Baum binden und ihn in der Sonne aufheizen lassen.

Der Wassersack ist mir aber zu ungewiss und langwierig. Meine Lösung lautet: Einen Topf Wasser heiß machen und das Autoheck zur Duschkabine umfunktionieren.

Nachfolgend eine kleine Bildergeschichte von meiner ersten Outdoor Dusche auf Korsika.
Da ich nur 30 Liter Trinkwasser dabei hatte, die auschließlich zum Trinken und Kochen eingeplant waren, musste ich mir erstmal Duschwasser organisieren. Segensreicherweise gibt es auf Korsika hier und da öffentliche Brunnen. Also kein Beschaffungsproblem.

Oder man holt sich das Wasser aus dem nächsten Gebirgsbach.

Wobei das natürlich alles einfacher klingt, als es ist. In meinem Fall hat es 3 Tage gedauert, bis ich an den ersten zugänglichen Gebirgsbach kam. Brunnen sind mir erst ab dem fünften Tag, dann aber ständig, begegnet. Nachdem ich endlich Wasser hatte, gab es keinen geeigneten Standort für den geplanten Duschevent. Deshalb blieben die 8 Liter Duschwasser bis zum nächsten Tag im aufklappbaren Reservekanister, den ich damals für „Gebrauchswasser“ dabei hatte.

Dann endlich war der perfekte Duschort gefunden: auf einem Aussichtsparkplatz oben in den Bergen. Natürlich nicht wirklich der perfekte Ort, aber außerhalb der Touristensaison war kaum Verkehr – alle 10 Minuten ein Auto und niemand, der die Aussicht genießen wollte.

Also los geht‘s…

1. Den Windschutz anbringen, der den Kocher beim Kochen hält und die „Duschkabine“ seitlich blickdicht macht.

2. Wasser heiß machen

3. Umbau des Hecks zur Duschkabine. Dazu hab ich oben in die Hecktüren „Campingfüße“ angeschraubt, die die perfekte Halterung für die 1,60 lange Telskopstange sind.

4. Duschvorhang anbringen (den ich inzwischen gar nicht mehr habe.)

 

So, die Duschkabine ist fertig. Das Wasser ist einigermaßen auf Temperatur gebracht, alles ready to dusch…

Aber dann war mein toller Platz auf dem Aussichtsplateau auf einen voller Menschen mit Kamera. Wenn da ein (mein) Auto steht, glauben die anderen natürlich, dass es was zu sehen gibt. Ich wollte also gerade loslegen, da kam das erste Auto mit einer fotografierwütigen Italienerin. Dann noch mehr Italiener. Dann war es mir zu heikel für einen großen Duschevent und ich hab’s erstmal Mal beim Haarewaschen belassen. Am nächsten Tag konnte ich dann aber an anderer Stelle das volle Programm ganz ungestört durchziehen.

Das läuft so ab: Mit einem Litermaß heißes Wasser über den Kopf gießen, einschäumen, Schaum weiter verteilen, und mit weiteren Güssen den Schaum wieder abspülen. Das Ergebnis: Sauber und glücklich. Ich brauch drei Liter warmes Wasser für eine Dusche.

Nachtrag:
Den Duschvorhang hab ich nicht mehr in Betrieb. Meist parke ich das Auto so, dass die aufgestellten Türen als Sichtschutz reichen. Oder ich „dusche“ im Dunkeln. Einzige Schwierigkeit ist immer, einen Platz zu finden, wo man Wasser und keine Zuschauer hat 😉
Und keine Mücken!

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