Historisch wohnen mit Schräglage

Wenn du denkst, dein Urlaub geht dem Ende entgegen, du bist auf der Rückreise und es passiert nicht mehr viel – dann such dir einen Abenteuer-Campingplatz und die Welt ist plötzlich ganz schön schräg….

Nach mehreren Wochen im Auto wohnen hatte ich es etwas satt und Sehnsucht nach mehr Bewegungsfreiheit rund um mein Bett. Somit hab ich zum Ende hin überwiegend eine Hütte für die Nacht gemietet. Beim Anblick dieses kleinen Holzhäuschens, dachte ich noch, oh wie süüüüß. Und glaubte den Hauptpreis einer urigen Nacht gewonnen zu haben. Über den Preis musste ich erst noch ein bisschen verhandeln, 650 Kronen (um die 60 Euro) fand ich jedenfalls entschieden zu viel für eine Nacht ohne besonderen Comfort und für mich alleine. Wir einigten uns auf 400 Kronen, was immer noch ziemlich viel war.

Von außen sieht es ja total knuffig aus. Der Eingang ist original niedrig. Bücken und reinklettern…

Der Schlüssel ist riesig Und das Schloss… speziell.

Auf den ersten Blick sah es auch von innen sehr niedlich aus, so schön urtümlich. Aber dann kamen die Tücken des historischen Wohnens zum Vorschein. Auch wenn man es nicht sieht, der Boden in meiner historischen „Hütte“ ist dermaßen schief und naturbelassen, dass die Holzbank nicht nur einen Schlag nach rechts weg macht, sondern auch leicht nach hinten kippte. Schon nach 2 Minuten jaulte mein Rücken rum, dass er gefälligst in eine gerade Haltung gebracht werden möchte.

Auch das Stehen und Gehen in der Hütte war durch den schiefen Boden irgendwie mühsam – Stolpergefahr und Schräglage. Ja, die alten Zeiten waren hart.

An den grob geschlagenen Balken hing ein moderner Flachbildschirm.

Und es gab sogar einen Herd, Kühlschrank und (großer Luxus für eine Campinghütte) fließend Wasser, sogar heißes!! In meinen anderen beiden Hütten musste das Wasser zum Kochen immer erst rangeschleppt werden.

Aber sonst hatte man originalgetreu auf jedweden Komfort verzichtet. Die Stühle waren klobig und in Kindersitzhöhe. Das Bett aus alten Brettern gezimmert, wobei man über einen Balken turnen musste, um mit Hilfe eines Hockers überhaupt hinein zu gelangen. Viel Freude bzw. sportliche Gymnastik dem, der eine schwache Blase hat.

Rossi hat natürlich gleich kapiert, wie er über den Stuhl ins Bett kommt…

Leider hatte die Hütte zwar fließend Wasser, aber keine Toilette. Danach musste ich im Wald suchensehen. Es gab eine Toilette mit Wasserspülung und im Wald verteilt mehrere Plumpsklos. Das nächste Klo war auf alle Fälle ziemlich weit weg.

Die Anlage in den Schären und mitten im Wald ist als FISK Camping konzipiert, also als Anglerparadies. In der Bucht vor dem Campingplatz ist ein großer „Angelteich“ mit Regenbogen-Lachs (Lachsforelle?) angelegt. Die Fische sind durch Netze abgezäunt.

Etwas weiter draußen werden die Fische in zwei Basins „auf Vorrat“ gehalten.

Bezahlt wird nach Fangerfolg. Pro kg Fisch knapp 7 Euro.

Wer mag, kann sich seine Fische auch räuchern lassen. Außerdem gibt es unzählige Grill- und Feuerstellen auf dem Gelände.

Angel- und Bootsverleih fehlen natürlich auch nicht.

Das Bild mit den zarten Blau und Rosatönen könnte glatt ein Hamilton sein.

Abgesehen von der Schräglage im Haus und der langen Anreise zur Toilette war es ein interessanter Campingplatz: schöner Badestrand, mitten im Wald und mitten in der Natur.

Dann gibt es auf dem Gelände noch ein Museum (hatte schon zu), in dem querbeet allerlei alter Trödel ausgestellt wird.

Auch ein Mittagsbüffet mit Elchfleisch, Rentier und Lachs und Gemüse aus dem Wok wird für etwa 14 Euro pro Person angeboten. Dafür war ich leider ebenfalls zu spät. Aber es klang lecker!

Von der E4 bis zum FISKE Paradies sind es etwa 6 km durch den Wald auf Schotterpiste. Damit die potentiellen Gäste unterwegs nicht den Weg oder die Zuversicht verlieren, macht ein lustiges Schild auf halber Strecke Mut: „Gib nicht auf, du bist bald am Ziel“

 

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