Lost and Found auf den Äußeren Hebriden

Was man alles Schönes finden kann… oder wer Sturm sät… oder ein Leben als Mettwürstchen… oder ich wüsste noch mehr schöne Überschriften, um dich auf einen kleinen Ausflug in die Vergangenheit der Hebriden einzustimmen.

Wir befinden uns in Bostadh auf der Insel Great Benera, westlich der Insel Lewis. Auf der Karte kann man kaum erkennen, dass Great Benera eine eigene Insel ist. Aber man fährt tatsächlich über eine Brücke und sichtet erstmal ein paar standing Stones.

Die Gegend ist ähnlich wie die südnorwegische Küste: sehr felsig und wild romatisch, sehr abgeschieden und sehr schön. Irgendein findiger Tourismus-Marktinger ist vor Jahren auf den Claim „Insel der Abenteuer“ gekommen. Aber da es hier nur sechs Ansiedlungen mit einer handvoll Häuser gibt, von denen die Hälfte verfallen ist oder zum Verkauf angeboten wird, scheint das touristische Abenteuer nicht so richtig aufgeblüht zu sein.

EIN großes Abenteuer gibt es aber garantiert (wenn offen ist): Wohnen in der Eisenzeit. Ich habe eine halbe Stunde lang mit Rossi the dog in einem eisenzeitlichen Häuschen gesessen. Danach roch ich wie ein gut durchgehangenes Mettwürstchen und der Hund wie immer. Keine Ahnung, warum sich der Torfrauch nicht in seinem Fell festgesetzt hat. Ich brauchte eine Haarwäsche und einen kompletten Satz neue Klamotten. Der Hund brauchte keine besondere Behandlung.

Die große Entdeckung in Bostadh

Man hatte schon lange vermutet, dass unter den Dünen von Bostadh etwas Besonderes verborgen sein könnte. Ein heftiger Sturm im Jahr 1992 fegte die Dünen weg und das Geheimnis frei: Eine alte Siedlung aus der späten Eisenzeit, etwa 400-800 AD, war von den Sandmassen verdeckt worden.

Insgesamt wurden 5 Häuser entdeckt, freigelegt und untersucht. Es war aber von Anfang an klar, dass man diese nicht daurhaft würde offenhalten können. Der sich bewegende Sand würde sie früher oder später wieder überlagern. Nach ausgiebigen archäologischen Untersuchungen, wurden die Häuser deshalb wieder zugeschüttet. Aber an einer geschützteren Stelle steht nun die Rekonstruktion eines dieser Häuser.

Auf den Orkneys (die nächste Inselgruppe weiter gen Norden) hatte man ebenfalls durch einen Sturm Skara Brae, eine Siedlung aus der Jungsteinzeit entdeckt. Aber zwischen den unbedachten Steinmauern und Häuserruinen konnte ich mir damals nur schwer vorstellen, dass man hier einigermaßen angenehm leben konnte.

Jetzt weiß ich’s besser, es ist akzeptabel. Tauschen wollte ich nicht, aber man kann es aushalten, wenn man sich mit dem Torfrauch arrangiert hat. Es war auch nicht so düster und kalt, wie ich es mir vorgestellt hatte. Das Torffeuer in der Mitte des Wohnraumes sorgte für erträgliche Temperaturen und Talg- und Walfett-Lampen spendeten Licht. Der Boden und die Schlafecken waren (damals) mit Matten und Tierfellen ausgelegt und mit 10 Leuten in so einem Haus war es bestimmt recht kuschelig.

Weil ich Rossi dabei hatte, wollte ich erst gar nicht reingehen – Hund in Museum-Objekt! Aber ich war doch zu neugierig und hab es drauf ankommen lassen, dass wir wieder rausgeschickt werden. Wurden wir aber nicht. Es war ein geniales Erlebnis. Während wir Besucher im Halbkreis auf einer mit Tierfellen belegten Bank (Rossi halb drunter) saßen, und den Ausführungen folgten, haben wir uns fast wie damals gefühlt. Danach haben wir auch so gerochen…

Der Raum zwischen der äußeren Mauer und der eigentlichen Hausmauer wurde mit Heu, Torf, Seegras und anderen Materialien zur Isolierung aufgefüllt.

Kleine Anekdote am Rande: Im Rahmen der Rekonstruierung wurde das Dach zunächst mit Stroh gedeckt. Das erwies sich aber als unpraktisch, weil es alle drei Jahre erneuert werden musste. Inzwischen hat das Haus wie damals in der Eisenzeit ein mit Gras bewachsenes Torfdach. Das brachte wieder neue Probleme: Innerhalb kürzester Zeit war das Dach von Karnickelbauten durchzogen! Hasendraht schützt jetzt vor unerwünschten Mitessern.

Auf dem Rückweg zum Auto habe ich Uilleam Aonghas wieder getroffen. Ich hatte schon vor einigen Tagen an seinem „Dogwalk“ nach ihm Ausschau gehalten. Stattdessen fanden wir uns 50 km weiter am Ende der Welt wieder. Wir haben jetzt unsere E-Mailadressen getauscht. ;-))

Er war in Begleitung seiner Nachbarin, die kein Auto hatte, um zum Friedhof zu kommen. Hier liegen ihr Mann (der von Great Benera stammt) und ihre Tochter begraben. Die Tochter wurde auf der Heimfahrt von der Arbeit, auf der Straße von Tarbet nach Stornoway, durch eine Sturmböe von der Straße in einen Loch abgedrängt. Auf den Hebride sterben viele Menschen durch die Naturgewalten. Fast jede Familie hat jemanden durch Unwetter oder auf dem Meer verloren.

Fundsache Callanish Stones

Auf den Hebriden wird ständig was tolles gefunden! Die Callanish Stones waren mehrere Jahrhunderte im Moor verschwunden, bevor sie im 19. Jahrhundert wiederentdeckt wurden. Insgesamt gibt es im näheren Umkreis noch zwei weitere Steinkreise.

Callanish I (der größte)

Callanish 2 (der kleinste)

und Callanish 3, etwas größer als Nummer 2

Über das „wer hat sie warum und wieso aufgestellt“, sag ich lieber nichts, da gibt es ständig neue Theorien und Erkenntnisse. Aber die Steine sind auf alle Fälle höchst beliebte Fotomotive. Ich war gleich bei zwei Sonnenuntergängen zur Stelle.

 

The Chessman

1831 hat Malcolm Macleod of Pennydonald in den Sanddünen von Uig ein altes Schachspiel aus Walroß-Elfenbein gefunden.

Das Schachspiel stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist made in Norway. 11 der Figuren sind im Schottischen National Museum in Edinburgh ausgestellt und 82 im Britischen Museum in London. Also weit weg und das schon seit einer sehr langen Zeit… In Uig erinnert seit 2006 eine große Eichenskulptur der Königsfigur an Malcolms Fund.

Darüber hinaus findet man auf Lewis weitere „Schachfiguren“ in unterschiedlichen Größen vor dem Heritage Centrum in Uig, vor der Distillery, im Hafen, und im Schlosspark in Lewis…

Auch im Vikingmuseum auf den Lofoten ist dieses Schachspiel ein großes Thema.

Weitere putzige Fundstücke ohne besondere historische Bedeutung…

„My little Rainbow Pony“

Und gleich noch ein Regenbogen-Schaf

Schottische Streetart

Ein etwas anderes Gewächshaus

Ein schöner Oldtimer

Und das wahrscheinlich kleinste Postamt der Welt

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