Zurück in die Jungsteinzeit auf den Orkneys

Die Orkney Inseln sind das perfekte Reisesziel, um tief in die Jungsteinzeit und andere frühe Epochen der Menschheit einzutauchen. Das war mir nicht bewusst, als ich meine Fähre für eine Woche auf den Inseln im Norden Schottlands buchte. Und hätte ich es gewusst, hätte es vor Reiseantritt auch keine besondere Bedeutung gehabt. Das änderte sich jedoch nach Ankunft ganz schnell…

Mein Ausflug in die Vergangenheit begann ohne Kenntniss dessen, dass ich an einem ganz besonderen Ort bin. Er begann ganz ohne Planung, einfach weil ich vorbei kam, mit dem Besuch des Broch von Gurness am Sound of Eynhallow.

Für die genauso Ahnungslosen wie mich – ein Broch ist ein eisenzeitlicher Turmbau mit mehreren Etagen, der das Zentrum der Siedlung bildete. Die Siedlung am Sound of Eynhallow ist auf 100 – 200 vor Christus datiert. Vormals gab es hier in der Gegend insgesamt 11 Brochs. Sechs auf Mainland Orkney rund um Evie und fünf entlang der Küste von Roussay.

Als ich ankam, war so ein scheußlicher Wind + Regen, dass ich erstmal ne Stunde im Auto gelesen und auf besseres Wetter gewartet habe. Ich wusste überhaupt nicht, was es hinter der Eingangstüre zu sehen geben würde. Aber ich hatte nichts besseres vor, also einfach auf besseres Wetter warten und dann mal weitersehen. Das Wetter wirkt auf dem Foto gar nicht sooo schlecht. Aber es war wirklich übel – sehr stürmisch mit heftigen Regenböen. Eine Familie in Regenkleidung kam nach dem halbem Weg wieder zurück – kein Wetter für Outdoor-Erlebnisse.

Als es langsam besser wurde und ich mich auf den Weg machte, war ich ganz alleine in der alten Siedlung. In dem Empfangshäusschen saß ein verforener Mann, der mit dem Radel gekommen war (bei dem Mistwetter!!!) und auf Besucher wartete. Ich war der erste.

Im Hintergrund des Bildes sieht man die Reste des Brochs, davor verschiedene weitere Gebäudereste der früheren Siedlung. Um in das Innere des Broch zu gelangen, muss man ein bisschen den Kopf einziehen. Ich bin sehr beeindruckt von dem für die damalige Zeite riesigen und architektonisch komplexen Gebäude.

Das Baumaterial fanden die Eisenzeitler direkt vor der Haustür an der Küste.

Liegt ja wirklich griffbereit rum!

Und das steht heute noch von der Siedlung…

Wenn ich es richtig verstanden habe, war das Gebäude auf dem nächsten Foto eine Art Vorratshaus. In das Becken in der Mitte wurde Salzwasser gefüllt, um Krebse und Schalentiere frisch zu halten. Ganz schön clever!

Ein eisenzeitlicher Mahlstein

Ja, wer hätte das gedacht, ich fand die Eisenzeit (und verschiedene Siedlungen auf Orkney sind sogar noch älter) plötzlich richtig spannend. Und ich holte in der nächsten Woche live und in Farbe all das nach, was mich früher im Geschichtsunterricht so gar nicht interessiert hatte.

Weil ich gerade so gut in Fahrt war und das Wetter besser wurde, bin ich später am Nachmittag auch noch auf den Cuween Hill gestiegen. Eigentlich der Aussieht wegen. Aber dann fand ich noch mehr Eisenzeit auf halbem Weg.

Aussicht über Orkneys Weiden

Von unten hatte es so ausgesehen, als ob auf dem Berg ein Steinkreis wäre. Das war die eigentliche Motivation für meinen Aufstieg, aber die Steinhumpen sind völlig anders und ich hab bis jetzt noch nicht herausgefunden, was das für Türmchen sind….

Keine Ahnung, was ich fotografiert habe, aber die Steine waren ein gutes Objekt…. Und die Aussicht von über die vielen kleinen Inselchen war auch sehr schön.

Es war übrigens noch immer ziemlich stürmisch und trotz Sonne auch sehr frisch.

Der eigentliche Grund aber, warum man auf den Cuween Hill klettert, ist eine alte Grabkammer (Tomb), die ohne Eintritt oder Aufsicht besichtigt werden kann. In Anlehnung an die bekannte Tomb of the Eagles (wo Adlerkrallen gefunden wurden) wird sie „Tomb of the Beagles“ genannt, weil hier 4.500 Jahre alte Hundeknochen gefunden wurden.

Man kann in die Kammer reinkriechen. Vorne war sogar extra eine Box mit Taschenlampe. Weil die Batterie leer und vor dem Gitter eine riesige Pfütze war, hab drauf verzichtet. Ich hab aber Fotos vom Inneren gesehen, demnach ist es durchaus geräumig. Die Kammer wurde in der Jungsteinzeit (Neolythic) errichtet und ist (wie die Hundegebeine) über 4.500 Jahre alt. Laut Infotafel diente sie als Begräbnisstätte neolytischer Bauern.

Wettermäßig hatte der Tag ja total schlecht angefangen. Aber dann wurde er wirklich richtig erlebnisreich. Und nach diesem Einstieg, gab es jeden Tag ein bisschen mehr Eisenzeit. So besuchte ich natürlich auch Scara Brae und Tomb of the Eagles, stieß auf Wikinger und auf den zweiten Weltkrieg…

Ich glaub die Woche auf den Orkney Inseln war die erlebnisreichste Zeit, die je in einem Urlaub hatte.

 

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