Durch England und Schottland bis zu den Orkneys

Es sollte auf die Orkney Inseln gehen. Um dorthin zu gelangen, musste ich lediglich einmal ganz durch Deutschland, mit der Fähre über den Kanal und einmal ganz durch England und Schottland. Insgesamt hab ich für die 2.500 km fünf Tage gebracht. Aber die fünf Tage waren auch sehr spannend.

Mein Reisegefährt und „Heim auf Rädern“ war diesmal Vaters Scenic. Er hat ihn extra für die drei Wochen auf den Orkneys und Shetland zum „Castle“ umgebaut. Rückbank raus, Brett und Matratze rein, fertig. Die Ausstattung ist bescheiden aber es langt.

Mein „Kleiderschrank“ steht auf dem Beifahrersitz.

 

Um meine Ankunft in England mit ein bisschen Kultur aufzupeppen, hab ich mir erstmal in Canterbury die Kathedrale angeschaut. Allerdings nur von außen. Für Innen war ich zu spät.

Ein paar „Ehemalige“ außen an der Canterbury Kathedrale…

Bei der Fahrt durch die Yorkshire Dales am nächsten Tag entzückte mich in Skipton „Kleinvenedig“, besser gesagt der Leeds-Liverpool-Kanal, der sich durch die Ortschaft zieht. Der Kanal wurde im 18. Jahrhundert gebaut und war das Haupttransportmittel von Wolle/Wollwaren aus den Yorkshiredales. Heute läuft das alles über die Straße und die Kähne auf dem Kanal schippern nur noch Touristen durch die Gegend.

Noch ein paar Yorkshire-typische Fotos: Da gibt es Kühe…

Und halb nackelige Schafe…

Und natürlich die Dales…

Im Süden von Schottland, in der Nähe von Melrose am River Tweed steht Abbotsford, das Haus von Sir Walter Scott. Ein Besuch lohnt sich nicht nur für Ivanhoe-Fans, sondern auch für Gartenliebhaber.

Abbotsfort wird von einer weitläufigen Parkanlage umschlossen und hat mehrere interessante Gärten. Der Walled Garden, ein von hohen Mauern umschlossener Garten, hat ein bisschen was vom verbotenen Garten in Rapunzel :-))

Die Lupinen waren der reinste Farbflash.

In einem zweiten Garten sind die Artefakte ausgestellt, die Sir Walter in ganz Schottland zusammengesammelt hat. Darunter diverse Steinfragmente aus frühen römischen Anlagen. Sie wurden in die Mauer eingebaut. In die Hecke davor sind Fenster geschnitten, sodass man sie wie in einem Passepartout betrachten kann.

Rein ins Haus konnte ich leider nicht (geschlossen wegen Renovierung?) aber man konnte drum herum spazieren. Vorderansicht vom Haus…

Seitenansicht…

Zwischen Abbotsfort und den Highlands lag „nur noch“ Edingburgh. Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, aber die Ausschilderung in Edingburgh ist so grottenchlecht, dass ich nichts links drum herum gefahren bin, sondern mittendurch. Von allen Hauptstädten, die ich kenne, ist Edingburgh verkehrstechnisch die größte Herausforderung. Der Horror beginnt damit, dass es nur einspurige Straßen gibt. Ob Wohngebiet oder Hauptstraße, da ist kaum ein Unterschied. Also kommt man nicht vorwärts und steht zudem an jeder Ampel.

Allein das fesselt einen schon für Stunden an Edingburgh. Die Straßen sind ohne ein erkennbares logisches System, das bei der Orientierung helfen könnte. Der Sonnenstand hilft auch nicht weiter. Und Ausschilderungen werden großzügig gespart. Wenn ich mal ein Schild gesehen habe, dann wies es garantiert in die falsche Richtung. Mein kleiner Besuch in Edingburgh dauerte somit knapp 3 Stunden und als ich es endlich geschafft hatte, wieder rauszufinden, war ich super genervt. HILFE!!! Was war es nach der Stadt-Strapaze schön, in die Highlands zu kommen. Endlich wieder freie Sicht, keine Ampeln und nahezu kein Verkehr.

An diesem ausrangierten Straßenabschnitt hab ich ein Nickerchen gehalten. Später kam der alte Mann (links im Bild), um mal „Hallo“ zu sagen. Er hatte sich unten mit seinen Leuten zum Campen eingerichtet. Mit einem lustigen Akzent erzählte er, dass diese Serpentine als „Teufels Ellbogen“ berühmt berüchtigt war. Die LKWs haben die Kurve nur mit Ach und Krach gekriegt. Die neue Straße verläuft jetzt oberhalb und hat keinen Ellbogen mehr.

Glenshee Ski-Gebiet

Hier hat der Künstler Malcom Robertson 1975 „Tommy and Wife“ hingesetzt.

Die beiden sind aus Resin Bronze gefertigt. Leider ist das Material nicht für die Ewigkeit geschaffen. Es sieht aus, als hätten die Krähen an Tommys Kopf rumgerupft. Man kann ihm schon in den Hirnkasten schaun.

Von seiner Frau Maggie ist nur noch dieser klägliche Rest übrig 🙁

So sahen die beiden ursprünglich mal aus… www.malcolmrobertson.com/tommy.htm

Highlight des Tages war die Begegnung mit mehreren Rudeln Hirschen in den Highlands. Ich hab noch nie so viele wildlebende Hirsche auf einem Haufen gesehen und auch nicht so dicht.

Die standen fast neben der Straße

Der wollte mal rüber spazieren

Lecker Hirschbraten…

Das nächste Foto könnte ich vielleicht dem ADAC verkaufen 😉

Das Wollgras stand in voller Blüte und das Torfmoor leuchtete in Weiß.

So kam ich immer höher in den Norden und den Orkney Inseln langsam näher…

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