Wir könnten mal nach Kroatien fahren

Meine Eltern haben 1966 ihren ersten gemeinsamen Urlaub in Kroatien verbracht. Im Zelt. Mir wurde von dieser Reise folgendes berichtet: Es war schrecklich heiß, die Straßen nicht wirklich befahrbar und die Kinder bettelten und bewarfen den guten Opel Kadett mit Steinen, wenn sie nichts bekamen. Ich war sehr gespannt auf Kroatien!

Unsere Reise – in meinem kleinen Twingo – begann mit Schnee ab Sylvensteinspeicher. Also gleich nach Bad Tölz. Da ich eine abenteuerliche Fahrt durch die Alpen für unabdingbar hielt, tuckerten wir kreuz und quer durch die Berge und freuten uns, dass die Winterreifen noch drauf waren.

Abends, kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir die Adria. Es war herrlich warm, total schön und von den steinewerfenden Kindern war nichts zu sehen.

Natürlich hatten wir nichts organisiert. Einfach losgefahren mit Clarissas Zuversicht, dass wir bestimmt irgendwo eine Unterkunft finden. Das Hotel im Ort war dicht. Aber die Nachbarin vermietete ihre obere Etage als Ferienwohnung, dort sollten wir es versuchen. Die arme Nachbarin war überhaupt nicht auf neue Übernachtungsgäste eingestellt. Die letzten waren gerade erst abgehaun und die Wohnung war noch nicht geputzt. Wir sollten ein bisschen warten, dann könnten wir einziehen.

Als wir schließlich mit unserem Gepäck anrückten, war sie gerade dabei, das Klo zu putzen. Irgendwie fehlte ihr dazu das nötige Putzmittel, so schnappte sie sich das, was die letzten Bewohner hinterlassen hatten und reinigte das Klo mit einem ordentlichen Schuss Odol (Mundwasser). Das funktioniert nicht wirklich!

Hauptsache, wir hatten ein Bett. Abgesehen von der seltsamen Kloreinigung war die Ferienwohnung wirklich schön, frisch renoviert.

Unsere Vormieter waren (vermute ich) ein Trupp Handwerker gewesen, die hier länger gewohnt hatten. Sie hatten nicht nur ihr Mundwasser zurückgelassen, sondern auch ihre Duftmarken. Ich hab noch nie unter einer Bettdecke geschlafen, die so penetrant nach Schweiß und Körpermief roch, wie in dieser Nacht. Alles andere war wirklich fein, aber die Decke stank so schlimm, dass ich erst am frühen Morgen einschlief, unglücklich über den Mief, aber froh, dass die Kinder keine Steine mehr werfen!

Da wir fast ohne Planung oder Pläne nach Kroatien gefahren waren, hatten wir für den nächsten Tag nichts Besonderes vor und beschlossen, einfach mal die Küste Richtung Süden weiter zu fahren. Als alter Skandinavier hatte ich überhaupt keine Ahnung vom Süden. So schön hätte ich mir die Adria nie vorgestellt. Die vielen süßen kleinen Dörfer!

Am liebsten wäre ich einfach immer weiter die Küste runter gefahren bis ganz in den Süden, bis es nicht mehr weitergeht und dann immer noch weiter. Leider konnte ich meine Reisegefährten nicht dafür begeistern.

Also stoppten wir im nächsten kleinen Ort und schlenderten im Hafen herum…

… und machten eine Bootsfahrt mit Meeresgrundbesichtigung.

Der Katamaran hatte verglaste Kufen, durch die man auf den Meeresboden blicken konnte. Während der Fahrt sahen wir gleichzeitig was ober- und unterhalb des Wasserspiegels los war.

 

Irgendwann wurde gestoppt und wir konnten in Ruhe das Leben auf dem Meeresboden studieren. Viel war da allerdings nicht. Gras, Algen, Seegurken und hier und da ein Fischlein. War aber trotzdem genial.

Weil wir nach der Bootsfahrt genauso wenig einen Plan hatten wie vorher, studierten wir die Karte und beschlossen der Insel Krk einen Besuch abzustatten.

Wie kann eine Insel Krk heißen?

Das Wetter war herrlich und das kristallklare Wasser lud zum Baden ein – und das zu Ostern!!!

Clarissa hatte abends nach der ganzen Rumreiserei und dem Tag in der prallen Sonne eine Migräne-Attacke und verkroch sich ins abgedunkelte Hotelzimmer, das wir am Ende der Insel aufgetan hatten. Hier übergab sie sich still und leise ins Klo, während ich mit Malis in den Felsen herumturnte und auf den Sonnenuntergang wartete. Nebenbei kochte ich uns was auf dem kleinen Campingkocher zum Abendbrot – Nudeln mit nochwas.

Zum Glück ging es Clarissa am nächsten Tag wieder gut.

Noch ein paar Fotos von Krk…

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Dafür hatte Malis ganz fürchterlich schlechte Laune. Also so richtig schlechte Laune, wie sie eine Neunjährige nur haben kann. Zwecks ihrer Aufheiterung kam ich auf die geniale Idee, da unten in dem Gumpen baden zu gehen. Der sieht doch einladend aus! Malis fand die Idee grandios und sprang schon wenige Minuten später in ihrem gepunkteten Bikini umher.

Ich war nicht so richtig von meiner tollen Idee überzeugt, aber da sie von mir kam, konnte ich schlecht kneifen. Also ab in den Gumpen. Ich kann versichern es war so ziemlich das kälteste Bad, das ich je in meinem Leben genommen hab, und ich hatte schon einige eiskalte Bäder. Nachdem Malis tatsächlich mit mehreren Zügen einmal durchgeschwommen war, musste ich wohl oder übel auch rein und einmal durch. *erfrier, erfrier*

Danach waren wir gut durchgefroren, aber alle guter Laune und von diesem Bad reden wir heute noch! Hat sich also gelohnt. Alles, was man als Abenteuer in Erinnerung behält, war es wert!

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